Die Blaue Holzbiene – Xylocopa Violacea

Die schwarze blaue Holzbiene ist unsere größte Bienenart

blaue schwarze Holzbiene

Eine neue noch weit unbekannte Bienenart wurde in Sachsens Wäldern entdeckt, die große blaue Holzbiene. Diese Biene entdeckt man nicht in streng sauber gehaltenen Kleingärten, sondern dort wo es noch Natur gibt! Es ist Hochsommer, der Wolkenbruch ist vorüber, die Sonne scheint wieder. Meine Frau Betty schneidet ihre Blumen weiter und sagt zu mir: André, schau mal! Ich ging zum Blumenbeet hin und sah diese große schwarze „Hummel“ von Blüte zu Blüte fliegen. Aber Irrtum, es war eine mir noch unbekannte Biene, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Auch viele Gärtner, die zum ersten Mal dieses große schwarz-blaue Fluginsekt gesehen haben, fragen sich, was das für eine unbekannte Spezies ist.

Xylocopa schwarze HolzbieneEs ist kein Käfer und auch keine schwarze Hornisse oder gar Hummel wie viele meinen, sondern unsere größte eingewanderte Bienenart, die wir in Deutschland in letzter Zeit öfters beobachten können. Ihr wissenschaftlicher Name lautet Xylocopa violacea, die blaue große Holzbiene. Schon in den frühen 80iger Jahren soll diese Bienengattung aus dem Mittelmeerraum zu uns gestoßen sein. Dann breitete sie sich im Süden Deutschlands weiter aus und kam auch nach Sachsen.

Wie und warum, konnte man bis heute nicht genau abklären. Spekulationen über die Herkunft gibt es über die blaue Holzbiene aber recht viele. Erste Sichtungen der blauen Holzbiene kamen im Freistaat Sachsen ungefähr 2004 vermehrt auf. Speziell an Orten, wo Unordnung und Wildnis in manchen nicht bewohnten Kleingärten vorhanden ist. Es vergingen ca. zehn Jahre und Gärtner konnten häufiger das Vorkommen dieser ausländischen Schönheit beobachten.

Lebensweise der blauen Holzbiene

Die blaue Holzbiene legt ihre Eier nur in Totholz ab. Dazu frisst oder gräbt die blaue Holzbiene Nistgänge in das Holz vor der Eiablage, die fingerdickblauschwarze Holzbiene sind. Dazu bedarf es abgestorbener Baumbestände, altes morsches Holz, oder Markstängel wie zum Beispiel Schilfrohr, mit einem Durchmesser von mindestens 2,5 cm. Totholz, was man im Garten einfach aufstapeln oder aufhängen kann, lässt sich überall finden.

Diese Bienenart lebt solitär, also alleine. Ein Bienenstaat wird nicht gegründet. Im Winter überdauert sie im toten Holz die Kältezeit und kommt im Frühling wieder heraus und paart sich dann für den Fortbestand ihrer Art Ende April. Beide, Weibchen und Männchen überdauern den Winter. Auch Mauerspalten, alte Nistplätze oder Erdlöcher die sie selbst gräbt, dienen als Winterquartier. Blaue Holzbienen brauchen Natur im Urzustand, keine sterilen und aufgeräumten Gärten. Diese werden verschmäht und nicht besucht. Das ist auch der Hauptgrund, wieso diese Bienenart so selten bei uns anzutreffen ist.

Wo kann man die blaue Holzbiene öfters antreffen

Dort wo die Blütenvielfalt groß ist, fühlt sich die blaue Holzbiene besonders wohl. An diesen Orten muss es sehr warm sein und reichlichholzbiene blüte Sonnenlicht geben. Diese Voraussetzungen bieten große Streuobstwiesen, Wildgärten, Lichtungen im Wald und künstlich angelegte Parkanlagen mit einer großen Anzahl verschiedener Pflanzenarten. Die Liebe zu geöffneten Nistmöglichkeiten ergibt auch die Nähe zum Menschen. In zugewachsenen Wäldern und rund um die Ackerflächen ist die blaue Holzbiene nicht zu finden. Daran Schuld sind die eingesetzten Pestizide in der Landwirtschaft, die zu Tonnen ausgebracht werden.

Nisthilfe für die blaue Holzbiene

Der Mensch mit seinem Ordnungswahn beseitigt im Wald und in den Gärten jedes Mal todes Holz. Verwendung findet dieses Holz maximaliris, valga, violacea als Lagerfeuer. Auch die Landwirtschaft trägt einen großen Teil zur Beseitigung des abgestorbenen Holzes bei. Hier möchte man an Waldrändern den Schädling Borkenkäfer bekämpfen. Die Wiesen und Parks in den Städten sind auch frei von Totholz, da es das Bild schädigen könnte.

Also braucht man sich nicht zu wundern, wenn der Großteil der Menschen die blaue Holzbiene noch nie gesehen hat, oder Kenntnis hat, dass es diese Spezies bei uns auch gibt. Wieder einmal ist der Mensch mit seinem „Ordnungsfimmel“ daran schuld, dass er der Natur nichts Gutes tut. Der Mensch bewirkt mit seinem frechen und naiven Eingreifen in die Natur schlicht Unordnung. Es wird seltenen Tieren das letzte Stück notwendiger Lebensraum genommen um fortbestehen zu können. Wenn Sie das Totholz sammeln und an Bäumen festbinden, schaffen Sie eine Art von Nisthilfe.

Sie wollen die blaue Holzbiene schützen? Dann schützen Sie zuerst das Totholz in Ihrem Garten was für diese Bienengattung lebenswichtig ist. Das Holz soll ja nicht in Ihrem Garten ungeordnet herumliegen. Statt es gleich zu entsorgen, können Sie es aufstapeln oder an Bäumen waagerecht zu einem Ast festbinden. So tragen Sie dem Schutz dieser Bienenart ausreichend und angemessen bei.

Biologie der großen blauen Holzbiene

Wildbiene große blaue HolzbieneEine Holzbiene erreicht eine Größe von ca. 27 – 29 mm. Die blaue Holzbiene ist etwas größer als eine Erdhummel und kleiner als unsere heimische Hornisse. Blaue Holzbienen besitzen einen Stachel zur Abwehr von Feinden, aber nur die Weibchen. Die Weibchen in der Natur beider großen Arten sind schwer zu trennen. Die Männchen hingegen haben an den Fühlerenden orangefarbene Gliederspitzen und besitzen keinen Stachel. Ihr Gemüt ist aber äußerst sanft und friedlich, ähnlich wie das einer Hummel. Holzbienen gehören zu der Gattung der echten Bienen Apidae, die wiederum zu den Hautflüglern der Hymenoptera-Gruppe angehören. Davon zählen wir in ganz Europa alleine acht verschiedene Arten. Drei Arten dieser Wildbienen kommen auch bei uns in Mitteleuropa vor. Die kleinste Gattung Xylocopa iris und die größte Xylocopa valga ist selten bei uns anzutreffen. Vorreiter ist die Schwarze mit den herrlich violetten Flügeln (Xylocopa violacea).

Der Körperbau ist ähnlich der einer Hummel. Die dunkle, violette bis blau-schwarze Farbe der Holzbiene ist das eindeutige Kennzeichen, das es sich um diese Art handelt. Auch durch ihre besonders auffällig violett schimmernden Flügel, lässt sich diese Bienengattung von anderen Bienenarten dieser Familie recht gut auseinanderhalten und zielgenau bestimmen. Die Hauptflugzeiten sind von April bis Ende August. Hier handelt es sich nur um eine Generation, die im Sommer hervorkommt und fliegt. Bei den bekannten roten Mauerbienen hingegen fliegen pro Saison zwei Generationen durch die Lüfte.

Die drei Arten der Xylocopa in Mitteleuropa

Die drei Holzbienenarten Xylocopa

Vermehrung und Eiablage

Die Hochzeiten und die anschließenden Verpaarungen finden im warmen Frühjahr statt. Die kurz darauf beginnenden Nistbauarbeiten und die Eiablage der Nachkommen folgen sofort und dauern bis in den Spätsommer hinein. Die blaue Holzbiene Xylocopa violacea legt in ihre selbst genagten Nistgänge im Totholz ihre Eier ab, wie die Gattung Xylocopa valga auch. Die kleine Schwester Xylocopa iris bevorzugt die Eiablage in Pflanzenstängeln wie zum Beispiel in Schilfrohren.

Die Eier von Biene violacea haben eine Größe von ca. 10 – 12 mm. Eine Stückzahl pro Nistgang von maximal acht Eiern wird in die Gänge hineingelegt. Dort lagern diese Eier auf der Pollenpaste, die die Biene zuvor aus Pollen und Speichel verarbeitet und eingebracht hat. Die einzelnen Brutzellwände bestehen aus markhaltigem Material von Pflanzen und Holzspänen, vermischt mit Speichel werden diese hergestellt und gebaut.

Die Brutzellen sindaus dem Mittelmeer hintereinander angebracht und werden mit jeweils einem Ei und dem Pollenbrot befüllt. Danach folgt die nächste Brutzelle im gleichen Stil. Es spielt keine Rolle, wie das Totholz lagert. Ob liegend am Waldboden, oder hängend am Baum nach unten, egal, alles wird gern genommen von beiden im Totholz nistenden Arten, Xylocopa valga und auch Xylocopa violacea. Die Larven beginnen heranzuwachsen, spinnen sich in einen Kokon wie andere Bienenarten ein und verlassen das Nest als erwachsene Bienen. Von der Eiablage bis zum Schlüpfen der fertigen Holzbiene vergehen ca. 1,5 – 2 Monate. Die Weibchen, die ihre Eier abgelegt haben, leben nach dem Schlüpfen ihrer Nachkommen auch mit im Nest. Bislang wurde noch nicht genauer Augenschein auf das Sozialverhalten dieser Art genommen.

Wieder ein Wunder der Natur auf der roten Liste!

Rote Liste gefährdeter Arten.Na klar was sonst, es ist auch nicht anders zu erwarten. Auch diese Bienenart steht auf der Roten Liste in Deutschland für stark gefährdet! Die sehr starke und ausgeprägte Abhängigkeit von sehr warmen Klimabedingungen und Nistmöglichkeiten für diese Art der Biene, macht es diesem Geschöpf so unendlich schwer bei uns in Deutschland.

Gefährlich wird es dann u. a. auch für diese Biene, wenn die Menschen ihre Totholzsammlungen im Garten irgendwann nach ein paar Jahren verbrennen wollen. Denn inHolzbiene dieser Zeit haben sich dort neben der blauen Holzbiene auch andere geschützte Arten eingenistet und Eier abgelegt. Diese werden dann zu Tausenden vernichtet, ohne das man sich darüber große Gedanken macht.

Hauptsache der Mist ist weg und der Garten schön sauber. Auch Sie können etwas für den Erhalt dieser Art tun. Dulden Sie einfach todes Holz an Ihren Bäumen und greifen Sie eben einmal weniger zur Säge um es zu entfernen. An ihrer Hauswand ist solch ein Holzhaufen auch sehr nützlich. Zur Not können Sie diesen auch unauffällig verstecken. Vernichten Sie bitte kein bienengeeignetes Holz! Dieses Holz wird nach ca. 4 – 6 Jahren für die blaue Holzbiene u. a. besonders interessant und eignet sich erst dann für den Nestbau. Alternativ nutzt die Biene auch alte morsche und verkommene Holzzäune oder auch mal alte Gartenbauten wie Geräteschuppen. Hier könnte die Biene allerdings nicht willkommen sein, wenn sie Gebäude oder Bauten mit ihren großen Nistgängen versieht.

Können Holzbienen Schäden verursachenholzbiene mit pollen auf dem rücken

Da Holzbienen bevorzugt in altem Holz nisten, kommt es schon mal vor, dass diese Bienen auch ihre Brutzellen in das Holz von Fachwerk oder Bauholz ähnlicher Art nagen. Dies tut diese Biene aber nur, wenn das Holz ihrer Bauten stark verwittert und sehr alt und renovierungsbedürftig ist. Neu verbautes Holz wird nicht beschädigt. Erst recht nicht, wenn Sie ihr Holz mit Farben, Lacken oder Holzschutz behandelt oder gestrichen haben. Wenn Sie vorbeugen und sicher gehen wollen, legen Sie einen Totholzhaufen an, der die Bienen anlocken soll. Haben Sie das Nest verlassen oder einen passenden Ort gefunden, bleiben Sie diesem Standort immer treu, kehren zu ihm zurück und gründen dort die nächste Generation.

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4 Antworten

  1. Karl M. sagt:

    Entschuldigung ich hatte vergessen zu schreiben. Schönes Tier! Unsere erste Sichtung dieser Biene gab bei uns im Juli 2016 auf unserer Terrasse an den rankenden Wicken. Es war an einem sehr schönen und warmen Tag in Zscherben. Seit dem haben wir diese Bienenart leider nie wieder bei uns gesehen. Wollte schnell einige Fotos von ihr machen, aber sie war schon wieder weg. Schade!

  2. Thiele S. sagt:

    Hallo aus Affalter. Haben dieses Jahr todes Holz in unserem Grundstück hinter der Garage aufgestapelt. Und tatsächlich haben dort auch drei Holzbienen ihre Nester gebaut. Das Holz unserer Garage haben die Bienen dieses Jahr in Ruhe gelassen. Wir hatten es nämlich nicht gestrichen! Aber jetzt. Wir können bestätigen, dass die Bienen behandeltes Holz in Ruhe lassen und nicht beschädigen. LG Fam. Thiele.

  3. tinchen sagt:

    die biene hat eine wirklich schöne farbe. ich habe sie aber noch nicht bei mir gesehen. wohne in dortmund. Lg tina

  4. Tino sagt:

    Netter Beitrag, dankeschön. Wünsche einen schönen zweiten Advent! Grüße aus Bonn, Tino F.

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